Und morgen die ganze Welt

Eine Rezension

“Hanni & Nanni”-Verfilmerin Julia von Heinz scheint aus ihrer Antifa-Zeit inhaltlich nicht viel mitgenommen zu haben. In “Und morgen die ganze Welt” macht sie, wie es deutsche Regiesseur*innen und Drehbuchautor*innen gern tun, aus einem politischen Thema nämlich eine scheinbar unpolitische Charakterstudie und nicht einmal die gelingt ihr. Antifaschist*innen sind für sie offenbar zumeist tanzende und feiernde Hippies, die sich in einem besetzten Haus ihre eigene kleine Idylle schaffen wollen, oder gewaltgeile, Drogen konsumierende Selbstdarsteller aus wohlhabenden Familien. Natürlich haben Erstere da die Sympathien auf ihrer Seite. Was nun die Protagonistin antreibt, abgesehen von der Tatsache, dass sie scharf auf den sportlichen, koksenden “Alpha”-Typen ist, bleibt im Dunkeln. Zunehmend und unergründlich hoch emotionalisiert wirkt ihr Handeln nicht nur kaum nachvollziehbar, es scheint auch weniger durch die politischen Verhältnisse als vielmehr durch psychische Probleme motiviert. Nun wäre es selbstverständlich eine Lüge, zu behaupten, solche Menschen gäbe es in Antifa-Strukturen nicht. Wenn allerdings gar niemand mehr in der Lage ist, zur Gewaltfrage wesentlich mehr als einen platten Satz auszuspucken, wenn die gezeigte Lektüre sich auf das “Antifaschistische Infoblatt” beschränkt und wenn endlos irgendwo herumgelaufen und traurig oder seltsam geguckt, aber nie über tatsächlich Politisches gesprochen wird, dann wird am Ende leider wieder nur ein diskreditierendes und ebenso falsches Bild gezeichnet. Ganz im Sinne der Jungen Union schämt sich von Heinz schließlich nicht einmal, auch noch das Thema “Linksterrorismus” in ihre gutbürgerliche Soße hineinzurühren. So ist das, klar: Ein junger Mensch zieht zu einer Freundin in ein Hausprojekt, besucht eine Antifa-Demo und hat wenig später bereits Kontakt zu einem Ex-Bombenleger und ein Gewehr in der Hand. Und auf eine Begrüßungsszene der zu einer Aktion aufgebrochenen Antifas folgt eine weitere im rechtsextremen Lager, die der ersten zum Verwechseln ähnlich ist. Das altbekannte und immer noch erlogene Hufeisen fliegt einem dabei geradezu ins Gesicht. Interessanterweise nimmt die rechte Gewalt im Film nur kaum Raum ein, während die sich steigernde Militanz der angeblich linken Hauptfiguren im Mittelpunkt steht. Sie erscheint so deutlich mehr als Angriff denn als Verteidigung und wird erhebliche Teile des Publikums empören oder verstören, in jedem Fall ist sie verwerflich, weil unnötig und egoistisch, und passend dazu verdüstert sich die gesamte Atmosphäre. Die von der Polizei bei der finalen Hausräumung angewandten “Zwangsmittel” hingegen sind erstaunlich harmlos, verglichen mit dem, was sich auch in unserem Lande bereits zugetragen hat und noch zuträgt. Auch hier sind natürlich die Antifas aggressiver als die behelmten Hundertschaften. Und ja, auch das gibt es. Die andere Seite aber genauso. Sie in dieser Weise auszublenden, jede ernsthafte Diskussion politischer Fragen (etwa die nach dem Zusammenhang zwischen Kapitalismus und Faschismus) einfach wegzulassen, das verleiht “Und morgen die ganze Welt” letztlich doch noch ein politisches Gesicht, nur eben ein sehr hässliches, weil von Heinz hinter der Maske des Verständnisses für das Seelenleben ihrer kämpfenden Figuren nichts anderes betreibt als eine klischeebeladene Verleumdung “der Antifa” auf Focus-Niveau. Fazit: 111 Minuten (110 hätten besser gepasst), die mensch lieber mit einem interessanten Buch, schönen Platten und guten Getränken verbringen sollte.

CIS-Punk-Brief an Finchen und Binchen

Ein Blogbeitrag mit dem Titel ‘Warum wir nicht mit Sexist*innen reden’ auf Taz Blogs (Link) vom 24.4.2021 veranlasste mich, einen Brief zu schreiben.

Liebes Finchen,

liebes Binchen,

 

entschuldigt die Namensform im Diminutiv. Bevor eure Wut jetzt schon zuviel Nahrung bekommt, tröstet euch, denn meine Zeit im Punk ist ja vorbei, weil weißer männlicher CIS-Punk tot ist. Aber vielleicht zweifelt ihr ja auch manchmal, denn Punk war ja bereits 1977, 1978, 1979 etc. tot.

Nicht tot sei hingegen eine breite Debatte im Netz, die unter #punktoo firmiert, auf der Kämpfer*innen von eurem Schlage über Sexismus im DIY-Punk diskutieren. Dazu wird das Narrativ von der männlich geprägten Szene mit der schlimmsten Diskriminierungserfahrung weiblicher Punker*innen bedient. Gut, dass eure Leser*innen endlich mal erfahren, dass du Fine in einem Ox-Interview als ‚Freundin von…‘ anstatt als ‚Mitglied von…‘ der Band Lügen geführt wurdest. Ist nicht ganz so cool wie Rosa Parks Geschichte, aber ihr hattet ja nicht mehr. Diskriminierung und sexuelle Gewalt ist halt was sehr Subjektives und wer bin ich, darüber eine Meinung zu äußern. Die wäre übrigens: Shit happens! Ich habe sogar fast schonmal einen ähnlichen Bock geschossen. Ich hatte Sven von Graupause in meiner Radiosendung, dachte aber, er würde in einer anderen Band spielen. Das habe ich erst während der Sendung gemerkt und konnte es ganz gut reparieren. Glücklicherweise gab es dazu keinen Hashtag ála #sauerlandtoo.

Aber zu eurem Anliegen:  Ihr umreist es in eurem Blogbeitrag zunächst einmal mit drei Fragen:

„Was ist das Ziel, wenn wir auf Social Media Plattformen mit Menschen diskutieren? Wohin soll ein Kampf für Geschlechtergerechtigkeit in der Punkszene führen? Und wie können wir uns Schilde besorgen, die uns auf dem Schlachtfeld schützen?“

Die ersten beiden Fragen machen mich neugierig, die letzte irritiert mich. Denn auf der einen Seite wertet ihr einen Shitstorm auf der FB-Seite des Ox nicht, aber auf der anderen Seite redet ihr von der hässlichen Seite des Punks, wenn FLINTA*, die sich kritisch äußern, persönlich angegangen werden. Ist das, was auf der Facebook-Seite des Ox passierte und einen Shitstorm auslöste, die schöne Seite des Punks? Also um es zu benennen: Auf 160 Seiten werden gefühlt tausend Bands interviewt und weil ein Fehler im Heft besteht, durch den du dich, Sabrina,  so diskriminiert fühlt, dass dieses Leid für alle anderen FLINTA* zugefügten Leiden stehen soll, rechtfertigt das einen Shitstorm.

Anyway, pöbeln gehört zum Geschäft. Das war im Punk ja auch immer so und wir sind ja keine Hippies, von denen sich meine Generation auch abgrenzte.

Aber bevor es an die Beantwortung eurer Fragen kommt, erzählst du, Fine, deine Punkgeschichte, der du mit Anfang 20 entwachsen bist, weil sie dir zu stereotyp und festgefahren war. Immer nur Knochenfabrik, APPD-Slogans, Force Attack und gebrochene Herzen. Nun ja, liest sich so, als ob du in einer Teilszene, die sich Deutschpunk nennt, unterwegs warst. Dieser Szene entwachsen viele Menschen, um sich innerhalb der DIY-Szene weiterzuentwickeln. Vielleicht hast du davon gehört, dass beinahe für jeden Jeck hier Platz ist. Wenn du beispielsweise die anderen Artikel im Ox auch liest, ohne nur auf Triggerwörter zu achten, wirst du feststellen, es gibt noch so unendlich viel mehr hinterm musikalischen Horizont des Deutschpunks. Du selbst scheinst ja der Musik selbst entwachsen zu sein und hast dich als Politaktivistin engagiert. Finde ich gut. Wäre ich auch gerne gewesen, war ich aber immer ein wenig feige für. Bei mir war es früher der Kampf gegen Rechte in der Punkszene, den ich über das Plastic Bomb führte. Im Nachhinein eine überwiegend gute Geschichte, bei der ich aber manchmal über das Ziel hinausgeschossen bin und nicht mit Beschuldigten geredet hatte. Aber damit will ich dich nicht langweilen, denn der Kampf gegen Sexismus und eine von alten weißen Männnern dominierte Punkszene ist nun wichtig.

Ist dies nun das alleinige Ziel, dass ich beim lesen impliziere? Nein, du (Fine? Ich weiß nicht immer genau wann du oder Sabrina oder ihr beiden sprecht.) stellst ja auf einmal fest, dass es einen relevanten Teil FLINTA*-Anteil gibt, der beginnt sich zu rühren. Schön, dass du das feststellst. Ob du es glaubst oder nicht, aber es gab schon zu Force Attack-Zeiten Frauen und sogar Homosexuelle in der Punkszene. Du hast es vielleicht nicht bemerkt. Und die durften sogar da schon frei reden, Fanzines machen und Bands gründen. Haben sie übrigens sogar gemacht. Aber vielleicht hat man das in der Deutschpunkszene nicht mitbekommen.

Wer hindert euch?

Ihr möchtet nun aber einen Fluchtpunkt von der hässlichen Realität schaffen, aber dabei hindern euch jetzt die alten weißen Männer. Und ich frage mich warum euch irgendwer überhaupt hindert? 

Ihr könnt jederzeit Räume neu definieren und gestalten. Sucht euch doch ein schönes Haus dafür! Wollt ihr nicht aus dem Kinderzimmer rauskommen? Wenn man sich nur noch mit den Eltern streitet, ist es Zeit dafür!

Tipps zur Entwicklung, damit es auch zu dem Wohin eurer Fragen kommt. Autark sein, das Leben in die eigene Hand zu nehmen, ist gar nicht so schwer. Das kann frau schaffen, ohne permanent von alten weißen CIS-Männern und -Frauen gefördert zu werden.

Konzentriert euch doch auf die tollen Sachen, die ihr könnt. Ihr seid doch so tolle kreative Mädchen. Und das, was die doofen alten weißen Männer so gemacht haben und noch machen, könnt ihr viel besser. Wenn ihr euch ganz doll anstrengt, könnt ihr einen Insta-Account betreiben, der in dreißig Jahren mal langweilig ist. Festivals könnt ihr ja auch machen. Und da könnt ihr all die alten Männer-Schweine-Bands außen vor lassen oder bestimmen, dass die zu euren Bedingungen spielen. Ihr seid jung, bestens vernetzt und habt bestimmt noch Energie, bevor die anderen gesellschaftlichen Herausforderungen und Entwicklungsaufgaben zu meistern sind.

Dann braucht ihr keine Schilde und müsst nicht in die Schlacht ziehen. Das ist doch Jungs-Rhetorik, die ihr gar nicht nötig habt.

Geschichte

Prolog


Ich träumte, dass ich in diese verlassene Stadt reiste. Dort fand ich mich zwischen den Häuserwänden wieder, die die Regelmäßigkeit zweckmäßiger Wohnbebauung hatten, wie sie vielleicht in den 1950er und 1960er-Jahren üblich war. Die Straßen waren breit und das Grau der Fassaden dominierte die Helligkeit. Ich wanderte ziellos umher. Weder suchte ich etwas, noch hoffte ich auf Überraschungen. Das dauerte unbestimmt, bis sich die Häuserschluchten veränderten. Waren es zunächst ebenerdige, geradlinige Straßen und der Himmel dem Auge nicht präsent, so mäanderte der Weg nun aus der Stadt hinaus einen Anstieg hinaus. Die Bebauung wurde dünner und so reihte sich ein Häuschen, wie man es sich vielleicht in einem italienischen Bergdorf, dem Auenland oder Schlumpfhausen vorstellen mag. Der Himmel zeigte sich klar und blau, die Sonne strahlte, ohne zu brennen und ich ahnte, dass hier auch Menschen wohnten. Es tauchten Wegweiser auf, die die Richtung nannten, aber das Ziel verschwiegen. Mit einem Male wurde mir bewusst, dass ich alt war. Ich war unendlich alt: Ich hatte alles gesehen, mich begeistert, es mitgemacht, war mit- und vorangegangen, hatte sie alle gesehen, aber auch alles vergessen. Mir war klar, dass das alles passiert war, es wichtig und heute vergessen war. Warum es einmal wichtig war, daran erinnerte ich mich nicht, noch was es genau war. Es war Alles. Vereinzelt begegneten mir nun Menschen, die zunächst vorsichtig hinter Gardinen lugten, dann offen aus Fenstern schauten und sogar an mir vorbei liefen. Auch sie waren alt, zu alt um zu sterben, ebenso wie ich dazu erkoren, ewig da zu sein und zu zeigen, dass das alles wahr war. Ich kannte niemanden hier, fühlte mich aber nicht fremd, sondern als ob ich nach langer Zeit wieder nach Hause gekommen wäre. Aber zu Hause war niemand, den ich kannte. Ich hatte schließlich alle verlassen, die ich kannte. Dieser Gedanke war plötzlich da. Und plötzlich wusste ich, dass sie auch hier lang gelaufen sein musste. Es konnte nicht anders sein. So fragte ich nach ihr. Zunächst verneinten die Leute noch freundlich, aber manche meinten kurz, sich vielleicht noch zu erinnern. Es musste sehr lange her gewesen sein. Ja, es war lange her und sie hatte lang hier gelebt und noch länger gewartet. Ich sei aber nie gekommen. Und plötzlich wurde mir klar, dass die Zeit knapp sein konnte. Zeit konnte ein Problem sein, wenn die Unendlichkeit ein Fakt ist. Ich lief also schneller hoch, fragte immer eindringlicher. Man erzählte mir Geschichten über sie. Ja, jeder hatte sie gekannt. Sie hatte Lieder geschrieben. Sie hatte gesungen und die Herzen berührt. Sie selbst hatte immer gewartet und sei dann weiter gezogen. Ich lief schneller. Hörte neue Geschichten, die mich begeisterten und ärgerte mich schließlich, dass ich wieder so lange zugehört hatte. Die Zeit: Ich hatte unendlich davon, aber sie … sie womöglich nicht. Wenn ich sie doch nur finden könnte, dann wäre alles gut. Ich bräuchte sie nur zu berühren und wir hätten diese Unendlichkeit. Dann könnten wir das alles nachholen, wir könnten es immer wieder erzählen und es wäre immer neu. Alles andere war unwichtig jetzt! Sofort musste ich sie finden. Da zeigte einer mit dem Finger auf das Haus am Weg oben. Da sei sie zuletzt gewesen. Da wohnte sie. Ich riss die Tür auf! Und sofort sah ich, dass sie es war, die hier lebte. Ich sah die Bilder an den Wänden, ihre Bücher, ihre Gitarren und all die Sammel- und Fundsachen eines Lebens. Ich riss die Schränke auf, sah ihre Kleider und das Geschirr. Alles war wohl geordnet und sauber. Doch ich hörte kein Geräusch, roch nichts, und sah sie nicht. Aber gleich sollte sie hier sein. Ich wollte auch sie warten, setzte mich vor die Tür, um das zu tun. Da kam der Mann und sagte mir, dass man sie gestern geholt hatte. Sie hatte so lange gewartet, viel länger als jeder geglaubt hätte. Jedem hatte sie gesagt, dass ich eines Tages kommen würde. Alle hatten nur den Kopf geschüttelt, schließlich war ich ja noch viel älter als sie. Sie hatten ihr über das Haar gestrichen. Gestern war sie eingeschlafen.


1 – Heiner hat schlecht geschlafen

Heiner hatte schlecht geschlafen. Er hatte sich gedreht, gewendet… Nein, er hatte es versucht, denn jede Bewegung hatte ihn schmerzerfüllt aufschreien lassen. Jeder Versuch, eine neue bequeme Lage zu finden, hatte damit geendete, dass ihm die Nadelstiche die Nervenenden durchbohrt hatten. Hatte er eine erträgliche Lage gefunden, vermeinte er nur ein leises verstecktes Lauern in seinem Rücken zu spüren, dass jederzeit wieder zum Monster werden konnte, bereit ihn zu peinigen, um ihn irgendwann loszulassen, so dass er erschöpft ins Kissen zurückgefallen war. Ermattet, erledigt und fertig. Und wenn er dann so dagelegen hatte, dem Selbstmitleid so nah, dann hatte er gehofft, dass das Monster ihm Zeit zum Einschlafen ließ. Irgendwann, das wusste er, würde es nachgeben.

„Na! Schöner Tag heute, nicht wahr, Heiner?“

Andreas strahlt ihn unverschämt gut gelaunt an.

„Ja, zum Kotzen schön! Heute feiert die Abteilung Lametta ihr großes Vielfalt Fördern-Fest. Dann ist endgültig Schluss mit Freizeit und so einem Kram.“

„Und er wird noch schöner! Da steht einer von deinen kleinen Fred Sonnenscheins vor der Tür und will dir was sagen!“

„Wer denn?“

„Jannick.“

„Ach Göttchen!“

„Und er hat seine Mami mit dabei!“

Andreas strahlte über beide Ohren.

Sie wollte mit ihm über seine Methoden im Unterricht sprechen und ehrliche Empörung spricht  aus jeder Pore ihres kleinen fetten Körpers. „Wenn du mal weniger fressen würdest, und dich um die Erziehung deines Scheißkindes kümmern würdest, müsste ich jetzt nicht schon vor Unterrichtsbeginn hier stehen.“, denkt er und wartet ohne zuzuhören ihren Redeschwall ab.

„Und wie sollte ich ihrer Meinung nach auf die ständigen Entgleisungen reagieren? Ich habe schließlich noch dreißig andere Kinder in der Klasse?“

Natürlich wisse sie, dass das nicht immer leicht mit Jannick wäre, aber er hätte schließlich auch sonderpädagogischen Förderbedarf. Und es könne auch nicht sein, dass sie immer auf der Arbeit angerufen werde und abends ihren weinenden Sohn trösten müsse.

Klar, die Schule des gemeinsamen Lernens bewarb sich ja noch um die ganzen kleinen durchgeknallten Psychos. Also spricht er geduldig mit Jannicks Mama, während Jannick daneben seine vollgekritzelten Arme aufkratzt.

Der Gong zur erste Stunde setzte dem Ganzen ein natürliches Ende, er entschuldigte sich und machte Jannick darauf aufmerksam, dass er sein Verhaltensheft weiter führen müsse und natürlich die Abschreibeaufgabe bis morgen zu erledigen hätte. Frau Mutter von Jannick lässt er kurzerhand stehen und sieht aus den Augenwinkeln, wie sie sich in Richtung Büro der Direktorin in den zweiten Level ihres Empörungsspiels begibt.

Eigentlich hatte Heiner noch etwas kopieren wollen, aber das war jetzt wohl nicht mehr drin. Missmutig betritt er die 5b und seine Präsenz beendete das geschäftige Herumtollen nach seinem dritten Strich an der Tafel.

„Hast du vergessen, dass du heute Frühaufsicht an der Haltestelle hattest?“

Eigentlich waren die ersten Stunden toll gelaufen, denn er hatte einfach auf den Lehrplan von Maren zugegriffen und die Klasse mit Stillarbeit beschäftigt. Was so ein wenig Autorität doch bringen konnte. Dabei hatte er festgestellt, dass der Plan von Maren ganz gut wahr. Natürlich würden die Kinder mit dem ganzen Lernthekenkram kaum etwas lernen, aber letzten Endes war das moderner Unterricht, er nur Lernbegleiter und lernen würden sie eh nichts. Andreas hatte ihm sowieso immer gesagt, dass er sich einfach viel zu viel Arbeit mit dem Unterrichten machen würde. 

Einfach den Scheiß nehmen, den die jungen Kolleginnen so aufopferungsvoll für den Unterricht erstellten. Das machte sich eh gut für die anstehende Qualitätsanalyse.

„Mist, fuck, die Mutter von Jannick hat mich aufgehalten!“

„Kein Problem! Ich bin für dich spontan eingesprungen. Kannst du jetzt für mich die Pausenaufsicht auf Hof 2 übernehmen.“

„Du bist ein Miststück!“

„You‘re wellcome!“

Annette hatte gestrahlt und ihm war natürlich klar, dass es an dem Grüppchen 9er und 10er lag, denen er sich nun humpelnd nähert.

Das stehen sie nun dichtgedrängt beieinander mit Jogginghosen, Badelatschen und riesigen Caps. Witzfiguren vorm Herrn. Der letzte Deppentrend, dass sie jetzt alle Handtäschchen tragen, macht die Sache auch nicht besser. Mike, Enes, Joshua und Ben blicken verstohlen in seine Richtung und geben den anderen allzu offensichtliche Zeichen dass sie ihre Kippen ausdrücken sollen.

„Moin, die Herren!“

„Guten Morgen, Herr Reck!“, lächelt ihn Chantal, ja sie heißt wirklich so, an und klimpert mit ihren lächerlichen angeklebten Wimpern.

„Du wirst dir eine Nierenentzündung holen, wenn du hier in der Kälte stehst und nur einen eingelaufenen Pullover trägst!“, sagt er und denkt: „Warum sind die Mädchen an einer Gesamtschule nur so unfassbar hässlich. Früher, zu meiner Zeit, haben die dicken Mädchen wenigstens Säcke getragen, damit man das Elend nicht sehen musste!“

„Das ist voll lieb, dass sie sich so lieb um mich kümmern. Ben macht sich nie Sorgen um mich.“

„Das ist die Jugend von heute, die hat einfach kein Benimm mehr!“

Heiner registriert, dass die Kippen alle unter den Sohlen verschwunden sind und er nichts mehr groß zu sagen braucht. Harte Arbeit war das, jetzt mit dem Grüppchen scherzen zu können. Harte Arbeit, deren Früchte er nun erntet, während das junge Gemüse mit dem neumodischen Schnickschnack ständig zusammenbrach. Ob sie ihn mochten, war ihm egal, wichtig war nur, dass er der Chef war.

Zufrieden beendet er die Pause vorzeitig, um noch schnell ein paar Arbeitsblätter zu kopieren und bei Frau Dr. Doppelname nachzufragen, wie denn das Gespräch mit Jannicks Mutter gelaufen war. Wie erwartet, hatte sie sie runterholen können und ihr auch noch ein paar Weisheiten in puncto Erziehung mit auf dem Weg geben können. Schließlich hatte Jannick ja schon zwei Klassenwechsel hinter sich und die Kolleginnen mit Burnout zurückgelassen. Heiner weiß, dass er die Ultima Ratio ist.

Plastic Bomb vs. Ox: Review #138

The missing review im Heft 104

Schon wieder so ein Irrtum: Ich dachte, diesmal ist die neue Sängerin von Against Me auf dem Cover, aber wieder knapp vorbei. Aufmacher sind dieses Mal Mad Ball, was natürlich lustige Erinnerungen an ihre Auftritte in den 90er-Jahren in der Zeche Carl weckt, als die New Yorker-Stereoid-Junkies mich verhauen wollten, weil ich sie ausgelacht hatte. Tja, die Zeiten ändern sich und Kinder werden erwachsen. Und durch die begleitenden Interviews mit Roger Miret und Ute Füsgen gelingt auch eine schöne Einordnung in die Geschichte. Diese Art der Schwerpunktsetzung gefällt mir auf jeden Fall sehr gut.  

Sofort springt mir auch ins Auge, dass diesmal eine junge Leserin vorgestellt wird, der ich spontan unterstellt hätte, sie hat das Ramones-Shirt von H&M. Deutet sich hier zaghaft ein Generationenwechseln an?

Sorgen macht mir durch seine Abwesenheit allerdings Tom van Laak: Junge, bist du in Ordnung?

Ganz klasse ist der Tourbericht vom Beat-Man, der es versteht, dass angezählte Genre des Tourberichts an sich durch geschickte Schwerpunktsetzung äußerst unterhaltsam zu schreiben. Von King Khan erfahren ich, wie wichtig das Kiffen für Kinder ist. Habe ich da was Wesentliches in der Erziehung meiner Kinder vergessen? Meine Tochter ist 13: Das könnte ich gerade noch rechtzeitig ins Reine bringen. Jens Rachut gibt ein paar Einblicke in sein Künstlerleben, ohne dabei in zynische Floskeln zu versinken. Interessant, genau wie die prägnante Analyse des US-amerikanischen Ist-Zustand durch Jello Biafra. Wenn ich auch zugebe, dass ich den dazugehörigen Redeschwall auf keinen Fall selbst abhören wollte. Ganz anders als das hochinteressante Interview mit Penelope Spheeris, bekannt durch ihren Klassiker „Suburbia“. Bei FAT MIKE hört es mittlerweile bei mir auf. Hat er sich früher so schön rar gemacht, geht mir seine jetzige Dauerpräsenz ziemlich auf den Sack, obwohl es keine Band gibt, von der ich mehr Platten im Schrank habe als von NoFX. Dann doch lieber einen Halbseiter von den Inserts oder auch mal wieder was von Vulture Culture hören. Platz genug ist auf jeden Fall. Und da ja auch Ferien waren, habe ich seit Jahren zum ersten Mal wieder was von Klaus N. Fricks Fortsetzungsroman gelesen. Richtig unterhaltsam: Ich glaube ich werde da mal am Ball bleiben.

Plastic Bomb vs. Ox: Review #137

The missing review im Heft 103/104

Mir persönlich ist es zwar nicht schnuppe, dass einzelne Aktionen respektive Schreiber vom Ox scheiße sind, aber ich bin doch auch Freund einer differenzierten Betrachtung des größten deutschen Musik-Fanzines. Außerdem habe ich es schon immer gehasst, wenn es andersherum hieß, dass Plastic Bomb hätte ja dies oder jenes gemacht, obwohl es sich dabei um eine genau zuzuordnende Handlung eines Menschen handelte, der dies im Rahmen des Plastic Bombs gemacht hat. Darum widme ich mich fortan dem genreübergreifenden Giganten mit CD-Beilage aus Solingen: Wie es in der Natur der Sache liegt, ist nicht alles mein Cup of tea: Bands ohne Vokale im Namen wie KMPFSPRT ignoriere ich grundsätzlich, das Geseiere von FRANK TURNER bestätigt meine Ablehnung seiner Musik seitdem unsäglichen Rock’n’Roll-saved my live-Schunkelhit und über die Nerven reicht mir die Promo im Fülletong der TAZ, um nur ein paar zu nennen. Dass ich die Band auf dem Cover zunächst für die Scorpions hielt, mag eine freudsche Fehlleistung sein, liegt aber daran, dass mir THE DAMNED immer ordentlich am Arsch vorbeigingen. Das ist übrigens auch beim neuen Album so, dass bis auf zwei Kurzzeit-Hits zu Beginn des Albums kaum Haltbares zu bieten hat. Trotzdem sind die beiden Interviews, insbesondere das mit Captain Sensible wirklich gelungen und unterhaltsam. Ebenso verschlinge ich das HOT SNAKES-Interview, deren ‚Jericho sirens‘ auch ein druckvoller Knaller ist. Außerdem drängt sich mir da der Verdacht auf, es könnte bald einen Wipers-Hype geben. Leute, sagt nicht, ich hätte es nicht prophezeit. Das Interview mit OHL weckt den Eindruck, dass man durchaus in das neue Album reinhören könnte; habe ich dann auch getan, was ein Fehler war: eine unendlich langweilige und stereotype ‚unsere abendländische Kultur ist in Gefahr‘-Scheibe. Würden Freiwild ein solches Album machen, gerieten sie in den Verdacht rechts zu sein. Dass man stumpf und einfach sein kann, ohne ein Idiot zu sein, beweist Ross von den COSMIC PSYCHOS. Schön, dass die noch was machen! NO FUN AT ALL habe ich früher immer geliebt und ich kann mit dem Interview ein paar Lücken schließen. Mit den TOXIC REASONS und der Italian Hardcore-Geschichte gibt es auch noch typischen Plastic Bomb-Content, der natürlich auch von Ehemaligen bereitgestellt wird. Was mir persönlich am Musikteil bestens gefällt, ist das unglaubliche Wissen, dass Joachim einbringt. Er ist extrem breit aufgestellt und immer gut vorbereitet, sodass seine Interviews zwangsläufig immer die lesenswertesten sind. Tom van Laak gehört mit seiner schonungslosen Lebensbeichte ebenfalls zu den Gewinnern, wenn der Grad meiner Sorge um ihn auch nicht gerade sinkt, wenn er darüber sinniert, ob er nun auf den Teppich gepisst hat oder seine Freundin Marion beim nächtlichen Blumengießen Wasser verschüttet hat. Die Reviewproblematik löst man beim Ox ja bekanntlich, indem beinahe alles gut besprochen wird. Da sticht es darum aber ins Auge, wenn Markus Franz die Acht Eimer Hühnerherzen nur mit sechs Punkten bewertet; genau jener Markus Franz, der OHL mit acht Punkten bewertet. Aber solche Ambiguitätstoleranz muss man mitbringen, wenn man das Ox ganz gerne liest. Ich habe, wie gesagt, damit keine Probleme. Mein Ego ist nur etwas angeknabbert, da der Hardcore-Opa John Joseph von den CRO-MAGS meine Leistungen im Triathlon marginalisiert.

Platten, die mein Leben begleiten: Jimmy Keith & his Shocky Horrors – Great teenage swindle

Jimmy Keith & his Shocky Horrors besetzen den Platz, die sicher einflussreichste Band in meinem Befreiungskampf aus der häuslichen Enge zu sein. Die ‚Great teenage swindle‘ ist die erste Langspielplatte, die von Leuten rauskam, die ich kannte und mit denen ich das Vergnügen hatte, rumziehen zu dürfen. Das war die ganz große Welt für mich in den frühen 1990er-Jahren.

Tom Tonk hatte mich gerade adoptiert und damit geadelt, für seine Rock-Zeitung schreiben zu dürfen, weil er gehört hatte, dass ich für die Schülerzeitung des Mannesmann Gymnasiums Artikel verfasst hatte, in denen ich Alles und Jeden anpöbelte. Artikel, die mir auch heute noch unfassbar peinlich sind.
Ich saß daraufhin gefühlte Wochen am Stück in dem diffusen, Zigarettenqualm-geschwängerten Licht seines Wohnzimmers und bekam Nachhilfe in Sachen Musik. Zum ersten Mal in meinem Leben hörte ich die Dickies aber auch King Uszniewicz & his Uszienicztones. Dabei lernte ich unfassbare Menschen wie Lothar kennen, der exakt eine Kaffeetasse besaß und diese über Jahre nutzte, ohne sie jemals mit Spülgift zu entweihen. Tom hatte nämlich einen Faible für besondere Menschen wie Musik.

Und dann holte er den Hammer raus: Tom sang in einer Band, die bald im Großenbaumer Bahnhof spielen sollte. Unfassbar! Und ich war auf der Gästeliste! Wahnsinn! Problem war nur, dass Tom sagte, dass sie so rock’n’rollige Rockmusik machen würden. Der hatte ich ja abgeschworen, gerade weil auch Hardcore und Bad Religion Einzug in mein Leben gehalten hatten. Anyway: Der Bahnhof war rappelvoll, das Bier floss in Strömen und die Bude wackelte. Es war ein unfassbares Inferno, das die vier Jungs da abfeierten. Angetrieben von einem Schlagzeuger, über den alleine man schon ganze Bücher füllen konnte: Mattes Pötters, Rock’n’Roll in Person. Ich glaube nicht, dass er viel konnte, aber Druck hat er gemacht. Und auf den Nebenschauplätzen des Geschäfts wusste er auch durch beeindruckende Anekdotendichte zu überzeugen. Der Bassist Guido dagegen war sein Gegenstück: Ein wirklich lieber Junge, der offenbar auch Erziehung genossen hatte. Aber die gute Kinderstube führte ihn immer wieder in Konflikte mit Mattes, der es sichtlich genoss, auf ihm rumzuhacken. Dafür bot er auch immer genügend Anlässe: Er hatte lange lockige Haare und hätte sowieso eher in eine Hairspray-Metal-Band gepasst. Außerdem hatte er den Bass fast unter dem Kinn hängen und konnte ihn spielen, was in einer Punkband mit Argusaugen beäugt wurde. Und eine solche waren sie zweifelsohne. One-Two-Three-Four und ab auf das Gaspedal. Und das direkt vor der Haustür: Die beste Band der Welt! Und Zepp Oberpichler: Der Gitarrist und Womanizer der Band schenkte dem Sound die dazugehörigen Melodien. Außerdem harmonierte er unfassbar mit Tom als Co-Bandleader/Sänger: Während Tom beinahe autistische Züge zeigte, war Zepp die geborene Rampensau. Die beiden machten Dialektik zu ihrem Geschäft. Und zu viert waren sie definitiv unmöglich. Ich kann mir nicht erklären, wie diese “Fab vier” es über so viele Jahre aushielten, zusammen die Bretter der Welt zu bereisen.

‚Teenage summer love‘, ‚We go surfin‘, ‚Stay teenage‘ und ‚To the horrors‘ von ihrem brillantem Debut-Album sind immer noch unsterbliche Hits. Später sangen sie zurecht: We taught the Richies how to surf. Wenn ich das Album jetzt nach zig Jahren wieder höre, läuft mir eine Gänsehaut nach der anderen runter. All die Geschichte, die wir zusammen erlebt haben: Die Townhall in Paua oder Cock Sparrer im Marquee. Durch sie bin ich endgültig in der Welt des Punkrocks gestrandet, hab den Lokalmatadoren und Richies das Backstagebier weggetrunken und letzten Endes sicher auch den Mut gefunden, meinen damaligen Beruf als Bankkaufmann hinzuschmeißen und später mit Micha Will das Plastic Bomb zu gründen. Dass die Jungs nie den Ruhm ernteten, den sie verdient hätten, gehört zu den Ambiguitäten, die das Leben mitbringt. In meinem Herzen lebt der ‚Great teenage swindle‘ aber immerfort.

Platten, die mein Leben begleiten: AC/DC – Highway to hell

Dieses Nominierungs-Kettenbrief-Gedöns mit zehn Scheiben, die irgendwie wichtig sind, erreichte nun auch mich. Danke Zepp, danke Didei, dass ihr an mich gedacht habt. Ich dachte natürlich zunächst, dass es irgendwo ein alberner Zeitvertreib ist, aber nach und nach ist mir bewusst geworden, wie mein Denken, mein Erinnern von Musik geprägt ist. Immer und zu jeder Zeit war Musik für mich eine Oase, in die ich der wüsten Realität entschwinden konnte. Musik regierte das Kopfkino und bot meinen Gedanken Möglichkeiten, wie die Welt auch sein könnte oder besser sein sollte.

Wenn ich an meine erste selbst gekaufte Musik-LP zurückdenke, komme ich nicht umhin, mir all die Umstände zu vergegenwärtigen, die die Zeit für mich mitbrachte. Und tatsächlich ist die „Highway to hell“ von AC/DC eine der wenigen Scheiben, die ich über all die Jahre behalten hatte, während ich andere Scheiben verschämt wegwarf oder weggab, wenn ich meinen Musikgeschmack auf ein vermeintlich höheres Level anhob. Und während ich dies schreibe, fällt mir ein, dass es gar nicht stimmt, dass AC/DC die erste LP war, die ich mir kaufte. Aber dazu später, denn die muss ich erst nachkaufen, damit das Kino auch richtig läuft.

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Back on the map: Winterlaufserie 2018

Was für eine Aufregung! Da hatte ich ja geplant, dieses Jahr über Wettkämpfe in die notwendige Form für die Langdistanz in Roth zu kommen und einen Tag nach der Anmeldung für die Winterlaufserie in Duisburg und R2NS macht mein Meniskus schlapp. Und ehrlich gesagt, habe ich keinen Pfifferling mehr um die Saison gegeben.
Dass ich mit meiner Ernährungsumstellung auf veganen Schwerpunkt aber tatsächlich die Grundlage für eine gute Genesung schaffen würde, habe ich ein wenig heimlich gehofft, ernsthaft daran geglaubt habe ich allerdings nicht. Auch das unendlich langweilige Training auf dem Spinning-Rad bei FitX, immer mit Pulsuhr streng unter 130bpm und das stundenlang, hat wohl seinen Teil dazu beigetragen. Und so reifte langsam der Plan, dass ich 10 Tage vor der zweiten Runde vorsichtig ins Laufgeschäft einsteigen könnte.

Kollegen und mein Physiotherapeut erklärten mich für bescheuert, allerdings gaben mir sowohl der großartige Chirurg Dr. Hoeher und meine beiden Orthopäden die Maio / Swart Signale, dass das was werden könnte, wenn ich vorsichtig und beharrlich

dran arbeiten würde.

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Wunderheiler am Werk

So eine Operation lässt einen doch immer eine gewisse Nervösität verspüren. So ist die Nacht dann doch noch kürzer als angedacht: Wilde Träume von Aushilfschirurgen, die mir begegnen. Ich insistiere, dass ich auf jeden Fall beim Zauber-Chirurgen unters Messer will, weiß aber, die Logik des Traums ist unerbittlich.

Also lieber wachwerden. Um 7 muss ich in Köln Rodenkirchen sein. Steffi kann so früh noch nicht fahren, also muss ich noch mal ran. Meine Güte, sind die Autobahnen vor 6 Uhr morgens schon voll. Klappt aber alles perfekt. Auf in den dritten Stock. Daniel im Wartezimmer hat es schlimmer erwischt: Die Kreuzbänder dazu. Da hab’ ich ja mal wieder Glück gehabt. Superlustiger Narkosearzt: Überhaupt das ganz Personal erinnert an Monty Python. Jetzt geht es wohl los, sagt er. Ich so: Ob ich wohl noch bis 10 zählen kann. Er so: Versuchs mal. Ich setze an und…

… werde mit dickem Knie wach. Der Wunderschnippsler schaut kurz herein. Alles optimal verlaufen. Handy gecheckt: Steffi ist auch heil zu Hause angekommen, trotz dunkel, trotz nass und trotz Navi sprachlos.

Na dann! Dann kann Papa mich ja abholen kommen. Jetzt erst mal Krücken checken!